Bali – Surfen lernen zwischen Reisfeldern

Nachdem wir mit unserer Reise durch Asien und auf der Südhalbkugel die kommende Wintersaison als nicht existierend betrachten können – uns aber schon jetzt auf die Saison 14/15 freuen – mussten wir uns für die Reise eine Alternative zum Freeriden überlegen. Die neue Sportart muss dabei verschiedene Kriterien erfüllen:

  • Man sollte den Sport allein, also ohne Guide oder Mannschaft betreiben können.
  • Julia und Stefan sollten in etwas das gleiche Ausgangsniveau haben.
  • Das benötigte Equipment sollte überschaubar bleiben.
  • Es muss ins Budget passen.
  • Style ist alles ;-) Die Sportart sollte also wenigstens ein bissel cool sein.

Zuerst wollten wir tauchen gehen – in Malaysia… Aber man ist anfangs immer auf einen Tauchlehrer angewiesen und dann braucht man meistens auch noch ein Boot um an die Tauchplätze zu kommen. Es gibt zwar in Asien viele Möglichkeiten zum tauchen, aber Schnorcheln macht uns fürs erste auch glücklich. Die Wahl fiel mit Indonesien dann schnell aufs Surfen. Surfen erfüllt alle unsere Kriterien und das Land ist perfekt damit (nochmal) anzufangen. Denn Julias bisherige Surfkarriere beschränkt sich auf eine Woche Weißwasserschlucken in Portugal vor drei Jahren. Stefan ist da zwar schon eine Woche weiter, aber das lässt sich ja aufholen…
Hätten die Polinesier nicht das Surfen erfunden bzw. James Cook nicht den Ursprung des Surfen auf Hawaii festgestellt, hätte auch auf Bali die Geburtsstunde des Surfens geschrieben werden können. Surfen gehört zu Bali wie Tempel und Reisterrassen.

Zum Surfen benötigt man lediglich ein Board, dass mit Finnen und einer Leash bestückt sein muss. Für kältere Gewässer ist ein Neoprenanzug sinnvoll, aber wir sind ja zum Glück in Indonesien, da reicht das ganze Jahr eine lässige Boardshort und ein Surfshirt. Was außerdem nicht fehlen darf ist Wachs – Achtung: Anstatt unter die Ski – auf (!) das Surfbrett – weil besserer Halt auf dem Sportgerät und somit eine höhere Wahrscheinlichkeit auf dem Board zu bleiben.

Start unserer neuen Surfkarriere sollte Medewi Beach im Osten von Bali sein. Wir haben erst einmal eine Woche Surfkurs im Brown Sugar Surf Camp gebucht, um uns den Start etwas einfacher zu machen. Und tatsächlich lief die erste Woche richtig gut. Nach drei Tagen Weißwassersessions bekamen wir die erste großen „Waschmaschinen“ in den grünen Wellen am Medewi Point zu spüren. Im Gegensatz zu unserer Zeit in Portugal ist der Schleudergang hier sehr regelmäßig und nicht all zu stark. Bleibt also noch etwas Kraft als Reserve, um tatsächlich mal eine Welle zu erwischen. Die zweite Woche am Medewi Point war hingegen richtig anstrengend, da die Strömung für uns einfach zu stark und die Wellen einfach zu groß waren. Für uns gab es viele gratis Waschmaschinen, viel gepaddel und viel Respekt vor den 3 m hohen Brechern. Nur zum surfen gab es nicht wirklich viele grüne Wellen. Stefan hatte eine gute Welle (innerhalb von 5 Tagen Surfen) und Julia kann die Wellen zumindest jetzt allein anpaddeln und aufstehen. Das mit den Kurven kommt dann noch…

Inzwischen haben wir uns also vom Förderband zum Schlepplift und vom Anfängerhügel auf die ersten blauen Pisten hochgekämpft. Uns kommen da „Die drei großen Lügen, wenn man mit einem Anfänger Skifahren geht“ in den Kopf, die via Facebook erst vor kurzen von „Königslinie – Magazin für Skikultur“ gepostet worden sind:

  1. Das schaffst Du schon.
  2. Das ist nicht so steil wie es aussieht.
  3. Das machst Du schon wirklich gut.

Mit dem Surfen ist es nicht viel anders. Schaffen?! Wie soll man es überhaupt schaffen die Welle zu bekommen, wenn ich nicht mal genug Kraft (oder Muskelmasse) zum anpaddeln hat. Steil?! Selbst eine 2 m hohe Welle ist für einen Anfänger so hoch wie der Mt. Everest und steil wie die Eiger Nordwand. Gut?! Wenn man es tatsächlich mal auf die Welle geschafft hat und surft, dann sieht das definitiv (noch…) nicht gut aus – am Style müssen wir also noch arbeiten.

Für uns fühlt sich Surfen momentan noch so an: Zunächst muss man ins Wasser rein. Bei einem Beachbreak alles kein Problem, aber sobald Steine muss man ein wenig aufpassen. Um die Verletzungsgefahr etwas zu minimieren haben wir uns Booties gekauft. Hat man die erste Steinhürde überwunden, geht es ans rauspaddeln. An guten Tagen bringt einen die Strömung durch den Channel raus, an schlechten Tagen muss man dagegen anpaddeln, was aufgrund der fehlenden Muskeln mörderanstrengend ist. Mit noch mehr Pech kommt ein Set von Wellen, die einen erst einmal gut durchspülen, bevor es weiter geht. Hat man es dann endlich raus geschafft, sitzt man im sogenannten Line up und wartet auf die Wellen. Als Anfänger wartet man natürlich viel länger, weil man die Erfahrung noch nicht hat, wo die Welle genau bricht, noch weiß, welche Welle wirklich gut ist zum surfen. Aber dafür gibt es am Anfang ja auch die Guides. Und man wartet einfach so lange bis irgendjemand deinen Namen ruft. Und plötzlich heißt es umdrehen und lospaddeln. Da bleibt gar keine Zeit mehr zu überlegen, ob die Welle nun passt oder nicht. Man paddelt los und schaut immer wieder nach hinten zur Welle. Erst hat man das Gefühl die Welle ist noch unglaublich weit weg und man paddelt gleich bis an den Strand ran und die ganze Arbeit mit dem raus paddeln war umsonst, aber dann ist sie auf einmal da und hebt einen mit voller Kraft nach oben hoch. Jetzt hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man bekommt Angst und zieht zurück, oder man steht auf und nimmt die Welle. Viel Zeit sollte man sich aber nicht zum überlegen geben, da sonst die Welle für einen entscheidet, was passiert. Fällt die Entscheidung aufs Aufstehen, dann ist das Wichtigste das richtige Timing. Natürlich total easy für einen Anfänger – not. Aber je öfter man probiert desto mehr bekommt man ein Gefühl für das richtige Timing. Die Welle schiebt einen regelrecht auf den Weg. Unser Guide pflegt da ja zu sagen: „Feel the wave!“. Sollte man auch, denn stimmt das Timing nicht bzw. hat kein Gefühl für die Welle entscheidet wie gesagt die Welle selbst und man wird entweder von ihr überrollt oder verliert sie.

Eigentlich der totale Wahnsinn jeden Tag aufs Neue ins Wasser zu gehen und zu versuchen eine Welle zu bekommen – aber es ist wie beim Freeriden: Übung und Erfahrung ist Alles!

Wir ziehen den Hut vor allen, die im Erwachsenenalter noch anfangen Skifahren lernen! Denn das ist mindestens genau so verrückt.

Aber wir kämpfen weiter. Mit den Wellen und dem Fachvokabular. Vom Take off, über Closeout, Channel, Duck Dive, Swell oder Wipeouts, es kommen täglich neue Surfbegriffe dazu. Im Line up an der Inside konnten wir außerdem einiges über Off-Shore und On-Shore Wind, Barrels, High Tide und Low Tide lernen. Insbesondere Low Tide ist ein vielfältig einsetzbarer Begriff geworden, z.B. gern gebraucht bei Ebbe im Bierglas…

Unser „Fortbildungsprogramm“ ist schon wieder in die nächste Runde gegangen. Ende dieser Woche setzen wir mit unseren neu erworbenen Kenntnissen von Bali auf Java über und begeben uns erstmals auf eigene Faust auf die Suche nach einem „Secret Spot“. Auf dem Weg liegen aber auch noch Vulkane und Höhlen, die es zu erkunden gilt. Wir freuen uns auf East Java!

2 thoughts

  1. Hallo ihr Zwei
    das sind ja Wahnsinnsbilder :-) da läuft einem glatt das Wasser im Mund zusammen ….. geniesst es und macht weiter so…. bin schon so gespannt wie euch Nepal gefällt – da war ich auch vor 3 Jahren :-)
    Alles Gute
    Petra
    PS: die Gletscher sind übrigens schon geöffnet… nur um euch auch den Mund etwas wassrig zu machen :-)

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