One Surfboard for Two

Irgendwie ist man als Reisender immer auf der Suche nach dem schönsten Platz überhaupt. In Schweden oder in der Mongolei ging es jeden Tag darum, den schönsten Platz zum zelten zu finden. Das tolle am Reisen ist, man findet viele schönste Plätze! In Indonesien sind wir nicht auf der Suche nach dem optimalen Schlafplatz, sondern dem optimalen Surfspot. Klar, man kann bei wannasurf oder magicseaweed nach Surfspots suchen, aber meist landet man bei den großen bekannten Spots, die für uns als Pro-Beginner doch eher noch ungeeignet sind. Außerdem ist es dann auch noch immer ziemlich voll. Wir stehen da ja eher auf die „Secret Spots“. Über irgendwelche Umwege sind wir bei der Suche nach Surfsports auf Java auf diesen einen Strand im Südosten von Java gestoßen. In einem Reiseführer würde man bestimmt Folgendes finden:

// Feiner, weißer Sandstrand // kristallklares Wasser // Wellen, die fast den ganzen Tag über zum Surfen einladen // weit und breit keine Touristen // keine lästigen Strandverkäufer // dafür eine chillige Strandbar// gemütliche Homestays // herzliche Menschen //

Es ist ein kleines Paradies und so ganz verstehen, warum hier keine anderen Leute sind, können wir es irgendwie nicht. Denn von Montag bis Samstag hat man den über 3 km langen Strand und das Meer fast für sich alleine. Die Einzigen, die hier regelmäßig auftauchen sind ein paar Fischerboote und die Kids aus dem Dorf, die zum Surfen und Spielen an den Strand kommen. Und zum Surfen ist der Platz hier optimal. Relativ kleine Wellen, die so brechen, dass auch wir erkennen wann man anpaddeln kann und wann man es besser bleiben lassen sollte. Surfen kann man fast den ganzen Tag über, denn man ist nicht übermäßig abhängig von den Gezeiten. Einziges Problem: Wir haben kein eigenes Surfboard! Es gibt zwar Boards zu leihen, aber natürlich haben diese entweder Longboard-Maße oder sind so klein, dass wir direkt damit auf Tauchstation gehen könnten. Selbst das kleine Surfcamp, das es hier gibt, hat keine Boards da. (Sie bringen die Surfbaords bei Bedarf direkt von Bali mit.) Nur Jogi von der Strandbar hatte ein Board, dass ungefähr die Größe hat, die wir brauchen. Wir wollten unbedingt ein paar Tag hier verbringen und so beschlossen wir kurzerhand das eine Board zu teilen. Anstatt two for one war beim Surfboard diese Woche one for two angesagt!

Neben Mick, der das Surfcamp betreibt und Sam, der ein paar Tage nach uns zum Surfen kam, waren wir fast eine Woche lang die einzigen Gäste im Dorf.

Sonntag herrscht am Strand allerdings Ausnahmezustand. Denn am Sonntag ist auf Java Ausflugstag. Letzten Sonntag durften wir das Ausflugs-Spektakel der Indonesier bereits am Ijen Vulkan beobachten. Diese Woche war der Strand dran. Es ist nicht so, dass Millionen von Menschen an den Strand strömen, aber es sind immerhin ein paar Hundert, die den Weg in das kleine Dorf, das in der Nähe des Meru Betiri National Parks liegt, finden. Und wir hatten uns schon gefragt, warum die Hälfte der Strandbuden hier überhaupt da steht und nie öffnet. Am Sonntag haben alle Strandbuden geöffnet, Parkplätze werden für die Besucher abgesperrt und die Auto- und Mopedfahrer werden zur Kasse gebeten. Den ganzen Tag über zieht sich eine dichte Staubwolke von den ankommenden und wieder wegfahrenden Fahrzeugen durch das Dorf. Am Strand werden Sonnenschirme und Liegen aufgestellt und vermietet und fliegende Händler verkaufen alles, was ess- und trinkbar ist. Die Kinder sitzen am Strand und freuen sich über jede Welle, die ankommt und sie fast wegspült. Dass keiner von ihnen schwimmen kann und vielleicht wirklich einmal ein Kind vom Wasser mitgenommen werden könnte stört niemanden. Trotzdem oder vielleicht auch deshalb gibt es eine Badeaufsicht am Strand – nur sonntags natürlich. Für uns ist Sonntag Foto-Tag. Besonders Julia ist es nicht möglich gewesen ohne Foto in Wasser zu gelangen. Auf den 100 m von der Strandbar ins Wasser wird sie von mindestens 5 Indonesiern abgefangen, die ein Foto mit ihr haben wollten. Wieder dieses Pop-Star-Feeling…

Spätestens nach dem Sonnenuntergang ist der ganze Spuk vorbei – auf wenn es noch den ganzen Abend braucht bis sich die Staubwolke gänzlich aus den Dorf verzogen hat – in der Strandbar sind wir wieder die einzigen Gäste und an dem Platz, wo sonntags die Autos geparkt haben wird Montag früh wieder der Sportunterricht abgehalten werden.

In dieser Woche war auch das erste Mal Geburtstag feiern angesagt. Julia ist 29 geworden – leider musste aufgrund der Entfernung von zu Hause  diesmal ohne Familie und Freunde gefeiert werden, aber Stefan hat alles gegeben, um ihr einen wunderschönen Tag zu bereiten inkl. Privatsurflehrer mit „Privat-Welle“. Es gab Wassermelone statt Geburtstagstorte und Sonne statt Regen, 30 Grad im Schatten und ein fettes Fisch-BBQ am Strand. Danke Stefan für diesen tollen Geburtstag!!!

Das kleine Paradies, in das wir uns wirklich ein wenig verliebt haben, befindet sich derzeit an einem Scheideweg. Denn es wurde Gold gefunden und man sucht an diesem wundervollen Fleckchen Erde bereits nach weiterem Gold – man munkelt über ein Goldvorkommen, welches es mit den fünf Größten weltweit aufnehmen kann. Wie es jedoch genau weitergehen soll, will von den Minenarbeitern niemand sagen. Auf der anderen Seite gibt es die Kampagne „ I Love BYW“. Die Region um Banyuwangi wirbt auf großen Plakaten mit seinen Attraktionen, die Einheimische und Gäste von außerhalb anziehen soll. Unter anderem ist auch unser Strand dabei. Wir sind jetzt schon ziemlich gespannt, wie es hier in den nächsten Jahren weitergeht.

Heute geht unsere Reise nach neun wunderschönen Tagen weiter Richtung Westen, vorbei an weiteren Vulkanen bis nach Yogyakarta.

3 thoughts

  1. Mannomann,

    …super schön dort. Die Fotos und der BERICHT machen mich sehr neugierig auf euer kleines Paradies. Hoffen wir, das es das bleib(t)en darf.
    LG York

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