Camping mit Abstand. Reisen in der Zwischenzeit.

Anders als geplant blicke ich nicht auf die vergangenen zwei Jahre zurück. Zu viele Erinnerungen, die ich nicht teilen und ausdrücken kann. Und ich mag hier auch nicht über das Traurige schreiben, sondern über das Schöne – über das Leben und über das Reisen.

Also Cut und Restart.

Unser Plan war es ab Mai zwei Monate Auszeit zu nehmen und durch Europa zu reisen. Daraus wurde nichts. Corona kam und blieb. Bis Anfang Juni wussten wir nicht, ob wir in diesem Jahr überhaupt noch einmal reisen könnten. Aleas erster großer Trip rückte zwischenzeitlich in sehr weite Ferne.

Dann aber kam der 15. Juni, der Tag an dem sich viele Grenzen wieder öffneten, trotz Corona. Wir mussten nicht lange überlegen, um zu starten. Allerdings etwas anders als einmal geplant. Es sollte nun nicht als Roadtrip einmal quer durch Europa gehen. Es ging auch nicht darum, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu sehen oder zu erleben. Es ging um quality time – mit der Familie an einem anderen Ort als zu Hause. Und es ging um Surfen. Das hatten Stefan und ich uns in den Kopf gesetzt. Wir wollten nach zwei Jahren wieder in die Wellen.

Wir fuhren also die ganze Atlantikküste auf Google Maps ab, bis wir uns auf zwei Regionen festlegten: Kantabrien in Spanien und die Bretagne in Frankreich. Da aber von den einmal geplanten zwei Monaten nur mehr drei Wochen Urlaub übrig waren, hielten wir es für sinnvoll nur eines dieser Ziele anzusteuern. Und nach etwas Hin und Her hatte Julia sich durchgesetzt. Die Bretagne würde unser nächstes Reiseziel werden!

Drei Tage nach der „Grenzöffnung“ machten wir uns auf den Weg. Im Gepäck: Zwei Kinder, zwei Surfboards und ein Zelt (!).

Unseren Campervan gibt es nämlich nicht mehr. Er war super, keine Frage. Aber er war auch nicht perfekt. Unsere Bedürfnisse unterscheiden sich dann doch ein wenig vom Adria Standard-Reisemobilausbau. Auch hatten wir das Gefühl, uns mit dem Campervan auf eine Reiseform festzulegen. Das wollten wir nicht. Letzten Winter haben wir uns dann für eine neues Zelt entschieden, um flexibel zu bleiben.

Mit nur einem Zwischenstopp hinter Paris hatten wir die 1.600 km von Innsbruck bis zum Atlantik in nur zwei Tagen geschafft. OK, Finn haben wir noch kurz vor dem Urlaub ein Tablet gekauft, damit er seine Lieblingsserien schauen kann und Alea hat einfach nur viel geschlafen. Ansonsten hätte die Anreise wahrscheinlich etwas anders ausgesehen. Dennoch, wir ziehen den Hut vor unseren Kindern!

Zelten mit zwei kleinen Kindern klingt wahnsinnig anstrengend. Das ist es auch! Ohne Campingvorerfahrung würden wir eher nicht zu dieser Urlaubsform raten ;-). Ständig ist alles dreckig und nass (zumindest wenn man in der Bretagne unterwegs ist). Die ganze Zeit ist man am Hinterherräumen und machen. Wenn dann noch wie im Fall von Alea hinzukommt, dass ein Kind noch gar nicht laufen kann und alles – aber auch wirklich alles – in den Mund nimmt, ist man noch mehr am flitzen, weil das Kind ständig unterwegs ist und auch mal einfach so zum nächsten Zelt krabbelt und sich dort an der Essenskiste bedient. Ob es nun daran lag, dass wir plötzlich hinter zwei statt einem Kind hinterher waren oder ob es nur am Zelten lag, können wir nicht genau sagen, aber es war gefühlt anstrengend…

Surfen war aber super! Und die Bretagne war super! Auch wenn wir uns von den vielen tollen Restaurants und Innenstädten fernhielten, bekamen wir zumindest einen Hauch vom bretonischen „Flair“ aus dem Supermarktregal und bei unseren Ausflügen mit. Finn war zum Glück sehr leicht von den Leuchttürmen, Bunkern und Festungsanlagen in der Umgebung zu begeistern. Und Alea hat sowieso alles mit viel Freude mitgemacht. Hauptsache wir waren zusammen und sie wurde getragen.

Die ersten zwei Wochen waren wir im Finistère. Zuerst auf der Halbinsel Crozon, wo wir auf einem tollen Campingplatz am Page de Goulien direkt am Meer waren. Dass dort hauptsächlich Deutsch gesprochen wurde, störte uns insofern nicht, weil Finn so sehr leicht Anschluss fand und eigentlich immer jemanden zum Spielen hatte. Das war ihm sehr wichtig, zumal er in den vergangenen Monaten ja eher wenig mit seinen Freunden spielen konnte.

Der Surfspot war fußläufig zu erreichen. Und die Welle lief auch recht gut in den Tagen, wo wir dort waren. Ebenso spielte das Wetter mit. In der ersten Woche hatten wir zeitweise das Gefühl in Südfrankreich zu sein, so warm war es. Das machte die Surfsituation für uns insgesamt recht einfach. Da ja immer nur einer zur Zeit ins Wasser konnte und der andere bei den Kindern blieb, mussten wir so nicht immer alle zusammen zum Strand. Bei Wind – und es gab relativ viel und oft Wind – war es am Strand insbesondere für Alea nicht immer fein.

Um ein paar Highlights mehr von der Umgebung zu sehen, suchten wir uns nach etwa einer Woche einen Campingplatz ein Stück weiter nördlich die Küste rauf. Allerdings waren die Highlights hier nach zwei Tagen abgeklappert und weil es keine Wellen zum Surfen gab und auch der Campingplatz im Vergleich zum ersten Platz komplett leer war, fuhren wir wieder zurück nach Crozon. In der zweiten Woche war das Wetter nur noch durchwachsen. Der Wind war sogar so stark, dass unser Tarp riss und wir uns beim Decathlon einen Ersatz besorgen mussten. Der Ersatz stellte uns dann aber vor eine Zerreißprobe…

Nach zwei Wochen Finistère ging es nach Morbihan, genauer gesagt an den Plage de Kerhillio. Dort waren wir auf einem sehr einfachen und sehr weitläufigen Campingplatz. Es gab zwar keine Platzordnung aber ein Mindestabstand von 30 Metern zwischen den Zelten, Wohnmobilen und Wohnwagen und dieser wurde eigentlich immer eingehalten – einfach weil so viel Platz war. Nur der Wind war die ersten Tage definitiv zu viel. Das neue Tarp lies sich nicht aufbauen. Sämtliche Überlegungen wie wir das Tarp am besten spannen sollten verflogen im wahrsten Sinne des Wortes. Zumal es sechs ungleiche Seiten hatte. Wer uns kennt, kann sich vielleicht vorstellen, dass dies zu einer hitzigen Diskussion führte. Meiner Meinung nach brauchten wir das Tarp unbedingt als Sonnen-, Regen- und Windschutz. Stefan hingegen fand das alles überflüssig – wir hatten ja erstmals einen Vorraum bei unserem Tunnelzelt. Ist ja auch einfacher, etwas nicht aufzustellen als mühsam gegen den Wind anzukämpfen. Mein Todschlagargument waren aber die Kinder und so musste er es zumindest versuchen mit mir das Ding aufzustellen. Nach drei Versuchen landete das Tarp dann aber doch wieder im Auto. Zusammen waren Wind und der weiche nasse Dünensand zu viel für den ersten Aufbau. Die Heringe wollten einfach nicht halten. Erst am nächsten Morgen, als der Wind etwas nachgelassen hatte, starteten wir noch einen Versuch, der dann auch zu einem für mich zufrieden stellenden Ergebnis führte. Einig waren wir uns allerdings in einer Sache. Dieses Tarp würden wir kein zweites Mal zusammen aufstellen. Wir werden uns nach dem Urlaub ein neues kaufen. Eines mit vier gleich langen Seiten.

Der Strand bei Kerhillio ist mehrere Kilometer lang. Abstand ist somit auch hier kein Problem. Für die Kinder war es am Strand sowieso nur toll, Finn hatte Wasser zum Spielen, Alea Sand zum essen. Ein wahres Paradies.

Fazit: Es waren drei lehrreiche Wochen. Heiß, kalt, windig, nass, lustig, nervig, ermüdend und erfrischend zugleich. Wir haben einige Flaschen Wein getestet und viel Baguette mit Camembert gegessen. Alea und Finn haben uns unglaublich gefordert. Aber sie hatten auch sehr viel Spaß und das wiederum hat uns Spaß gemacht. Wir kamen tatsächlich viel zum surfen. Mehr als ich anfangs gedacht hätte. Der Spagat zwischen Familien- und Surfurlaub ist sicher nicht einfach. Schon allein Camping mit Zelt und Kindern ist anstrengend. Warum hatten wir noch mal unseren Campervan verkauft? Ach ja, wir wollten wieder offen sein für andere Urlaubsformen. Das haben wir jetzt ausprobiert. Und es gibt Hoffnung: Wenn es einen nächsten Campingurlaub gibt, wird der bestimmt entspannter werden. Weil wir dann wissen, worauf wir uns einlassen.  

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