Street Art und Tee

Der Dschungel

Vom Strand in den Dschungel. So hatten wir uns das nach einer Woche auf Perhentian Island vorgestellt. Mit dem sogenannten Jungle Train ging es von Wakaf Bharu (bei Kota Bharu) aus dem Nordosten Malaysias nach Kuala Lipis. Da wir im Vorhinein die Abfahrtszeiten nicht heraus finden konnten (Der Plan ändert sich ständig und das neueste PDF mit den Abfahrtszeiten war auf der Website leider nicht zu öffnen) sind wir einfach so zum Bahnhof und hatten dann auch Glück, denn der nächste und auch letzte Zug für diesen Tag fuhr in genau 20 min nach unserer Ankunft ab. Die Fahrt ist lang und heiß, wenn man wie wir mit dem Bummelzug und ohne Klimaanlage reist – trotz der offenen Türen. Und auch wenn die Fahrt nicht komplett durch ursprünglichen Dschungel geht und eigentlich auch nur ein paar Stücke zwischen Kota Bharu und Kuala Lipis übrig geblieben sind, bekommt man doch einen Eindruck davon. Da der Zug gefühlt alle 10 min hält, kommt man nicht wirklich schnell voran. So ließen sich auch über 9 Stunden Fahrt für knapp 340 km erklären. Der Zug wird hauptsächlich von Einheimischen genutzt. Touristen waren neben uns nur noch zwei weitere unterwegs. Das relativ gut ausgebaute Straßennetz lässt nämlich durchaus schnelleres Reisen zu. Der Zug ist aber eine sehr schöne Alternative, den Dschungel an einem Vorbeiziehen zu lassen und das Treiben im Zug zu beobachten.

Als wir in Kuala Lipis ankamen war es bereits nach 23:00 Uhr und stockfinster. Auf dem Weg haben wir von einem ‚Appu’ gelesen. Er muss der Master of the Jungle sein, zumindest was den Kenong Rimba State Park betrifft. Auf seine Jahrzehnte lange Erfahrung als Dschungel Guide sei angeblich Verlass. Und weil er gleichzeitig auch ein Gästehaus in Kuala Lipis führt, wollten wir dort auch direkt übernachten und trafen ihn tatsächlich an. Das Zimmer, was uns angeboten wurde war ziemlich nah an der Grenze des Zumutbaren und als Appu uns dann eröffnete, dass wir nicht einfach so ohne Guide im Dschungel zelten könnten, war dies die nächste Enttäuschung. Wir hatten uns ja schon gedacht, dass es schwierig wird und sind deshalb ja nicht zum Taman Negara gefahren, der touristisch zwar sehr erschlossen ist, aber wo auch ausdrücklich darauf hingewiesen wird, das man dort über Nacht nur mit Guide in den Dschungel darf. Laut Reiseführer sollte es hier funktionieren. Aber nein, Appu meint, ohne Guide lassen sie uns nicht rein und außerdem sei der Pfad in einem sehr schlechten Zustand, das selbst er bei seiner letzten Runde mit einer Reisegruppe das Ende nicht gefunden hätte und einen anderen Weg nehmen musste. Er empfahl uns dringend nicht auf eigene Faust den Track zu gehen. Wir dachten, vielleicht will er ja nur seine Tour verkaufen, aber auch das war nicht der Fall. Denn: Er geht die Tour erst ab vier Personen. Wenn er also nicht mal verkaufen wollte, dann mussten wir ihm glauben, dass dieser Teil des Dschungels nichts für uns alleine ist. Er ist schließlich der Master of the Jungle! Seinen Vorschlag doch Richtung Taman Negara zu fahren, überzeugte uns allerdings auch nicht wirklich, denn Dschungel werden wir in den nächsten Monaten wohl doch noch mal zu Gesicht bekommen und werden wir das Dschungel Trekking einfach auf Kambodscha im November / Dezember verschieben.

Also musste ein neuer Plan her. Und weil wir den angeblich schönsten Teil unsere Zugstrecke im Dunkeln erleben durften, beschlossen wir am nächsten Morgen mit dem Zug auf der gleichen Strecke zurück bis Gua Musang zu fahren, um von dort aus weiter Richtung Westküste zu kommen.

Der Weg Richtung Westküste

Gesagt getan. Am nächsten Morgen saßen wir um 7:30 Uhr im Zug zurück Richtung Gua Musang. Und immerhin, auf der Fahrt hat Julia sogar ein paar Affen gesehen. Die Tropfsteinhöhle, die wir uns als Tageshighlight ausgesucht hatten, war zwar weder ausgeschildert noch irgendwo genauer beschrieben, aber wenn man Sie gefunden hat und erst mal drin ist, ist diese Höhle eine der größten und beeindrucktesten Höhlen, die wir je gesehen haben… An der weitesten Stelle ist sie 60 m lang, 30 m hoch und rund 20 m breit. Warum dies keine größere Touristenattraktion ist? Weil der Zugang so eng ist, dass ein eher gut genährter Europäer nicht durchpassen würde.

Die Verbindung von Gua Musang Richtung Westen ist etwas schwierig, wenn man den Bus, der täglich um 13:30 Uhr fährt, verpasst hat. Taxi und Minibus waren auch keine funktionierenden Alternativen. So fanden wir uns irgendwann an der Straße als Autostopper wieder und beschlossen, dass unser Tagesziel die Cameron Highlands werden sollten. Ein weiteres touristisches Highlight in Malaysia, dass man laut Reiseführer auf gar keinen Fall verpassen sollte. Und wir es aus genau diesem Grund irgendwie verpassen wollten…

Nach zwei Stunden standen wir immer noch an der Straße und haben uns dann auf einen Deal eingelassen. Zwei Malaysier boten uns an gegen Geld bis nach Tanah Rata zu fahren. Wir konnten uns dann auf einen Preis einigen, der in etwa den Buskosten entsprach. Die Jungs fuhren anscheinend gerne Auto und wir wollten aus Gua Musang weg, also brachten sie uns für 90 Ringgit zu den Cameron Highlands.

Die Cameron Highlands liegen in der Mitte von Malaysia und sind berühmt für ihre Teeplantagen. Den ersten Eindruck, den man bekommt sind gerodete Hänge und überdachte Gemüse- und Erdbeerplantagen. Erdbeeren sind hier oben neben Tee sowieso ganz weit  vorn. Falls man mal ein Brainstorming für Merchandisingartikel machen möchte, sollte man in die Cameron Highlands fahren. Alles, was ein Werbeartikelhandel anbieten kann, verkaufen die Shops in den Cameron Highlands in Form von Erdbeeren. Ob Erdbeer-Regenschirm oder Erdbeer-Ohrenschützer, Erdbeer-Ohrringe oder Riesen-Plüsch-Erdbeere. Es gibt wirklich alles als rote Erdbeere. Alternativ auch rosa oder lila. Wir haben uns bei unserem Zwischenstopp dann aber doch auf den Tee konzentriert und sind mit dem Taxi zur Bharat-Teeplantage, 5 km von Tamah Rata entfernt, gefahren. Stefan konnte mal wieder ausgiebig fotografieren (denn wir haben uns gegen eine geführte Tour entschieden, die zusätzlich noch einen Abstecher bei der nächsten Erdbeer- und Schmetterlingsfarm gemacht hätte usw.) und Julia konnte in der Teeplantage am Tagebuch und Blog schreiben. Insgesamt dann doch ein schöner Zwischenstopp auf dem Weg Richtung Westküste, der weiter nach Georgetown auf der Insel Penang führte.

Street Art

Georgtown – immerhin seit 2008 UNESCO Weltkulturerbe – hat uns beiden sehr gut gefallen. Überall gibt es etwas zu essen und Kunst ist allgegenwärtig. Ob an alten Hauswänden, in kleinen Ateliers, die ein Café angeschlossen haben, in Galerien oder im Museum. Georgetown hat uns den Eindruck vermittelt, dass Künstler hier die Möglichkeit bekommen ihren Platz zu finden, um sich zu verwirklichen. Neben dem gerade erst seit 7 Tagen eröffneten und sehr liebevoll eingerichteten Camera Museum haben uns die Wandbilder von Ernest Zacharevic ziemlich beeindruckt. Im Rahmen eines Projekts des Georgetown Festivals 2012 haben einige der alten Häuser von Penang ein neues Gesicht bekommen – zumindest was die Fassade betrifft. Die Wandbilder sind inzwischen eine echte Attraktion geworden. Leider ist auf der Straße anscheinend alles vergänglich und die Bilder haben zum Teil schon sehr gelitten, so dass sie, wenn sie nicht überarbeitet werden in ein paar Jahren wohl zum Teil zerstört sein werden. Ist aber auch kein Wunder bei dem feuchtwarmen Klima hier, wo es einige Male am Tag sintflutartig regnet. Aber es kommen auch immer wieder neue Illustrationen von verschiedenen Künstlern hinzu. Das Projekt lebt weiter und es ist eine ganz andere Wahrnehmung als großflächige Graffitis an alten Bahnstationen in anderen Städten, dann man hat irgendwie das Gefühl, die Bilder gehören zur Stadt dazu.

Nach zweieinhalb Wochen Malaysia geht die Reise heute weiter nach Indonesien. Wir werden uns auf Bali mal wieder als Surfer versuchen um endlich den Rookie Style hinter uns lassen. Wenn es klappt, hängen wir noch ein paar Wochen dran, wenn nicht dann gibt es bestimmt bald einem Plan B oder C. Vorher heißt es aber das Visum beim Kantor Imigrasi in Denpasar von 30 auf 60 Tage zu verlängern – wir sind gespannt wie das klappt!

2 thoughts

  1. Hallo,

    wollte vorerst nur mal sagen wie toll ich euren Blog finde! Man meint fast, selbst dabei zu sein (obwohl man es LEIDER nicht ist). Die Fotos sind atemberaubend schön desegen würde ich gerne wissen, welche Kamera ihr benützt?!

    • Hallo Kathrin,
      freut uns das Dir unser Blog gefällt. Wir verwenden auf der Reise eine Spiegelreflex Kamera und bearbeiten die Bilder dann für den Blog. Bei den Bildern spielt das Motiv, die Bildaufteilung, das Licht (Tageszeit!) und die Einstellungen an der Kamera mehr eine Rolle als die Kamera selber… Einfach ausprobieren und experimentieren.
      LG Stefan

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