Tempel-Marathon von Angkor

Mit Angkor verhält es sich ähnlich wie mit der Chinesischen Mauer – muss man gesehen haben. Die Tempel von Angkor haben als Zentrum des Königreichs der Khmer vom 9. bis 14. Jh. Geschichte geschrieben und wieder einmal kommt es einem unfassbar vor, was die Menschen schon vor Jahrhunderten geschaffen haben.

Das Ausmaß, die Komplexität, die Symbolik und die Symmetrie der Tempel lassen sich kaum in Bilder fassen. Angkor Wat ist das größte religiöse Bauwerk der Welt. Dieser Ort ist ohne Frage mystisch und zugleich inspirierend. Nur der Sonnenaufgang in Angkor Wat ist weder inspirierend noch mystisch. Es ist einfach nur voll. An eine spirituelle Reise in die Vergangenheit ist nicht zu denken. In der Gegenwart pilgern jeden Morgen hunderte Menschen nach Angkor. „Spiderman“ und „Rambo“ von Shop Nr. 1 bis 18 verkaufen noch bei völliger Dunkelheit Heißgetränke und bringen diese auch gerne an den erkämpften Platz in der ersten Reihe am Ententeich vor dem Tempel. Die Silhouette von Angkor Wat im Morgenrot ist ohne Frage beeindruckend, aber die Masse an Menschen, die sich jeden Morgen dieses Spektakel gibt, ist noch viel beeindruckender. Da hilft nur eins: Flucht nach vorn. Nach dem ersten Morgenrot heißt es möglichst schnell zum nächsten Tempel zu kommen, noch bevor die ersten großen Reisegruppen eintreffen – wir hatten uns als erstes Ta Promh – den sogenannten Tomb Radier Tempel vorgenommen. Die Massen haben einen aber spätestens (in Bayon) mittags eingeholt. Unser Tempelmarathon hat insgesamt 12 Stunden gedauert – und wir haben lang nicht alles in Angkor gesehen.

Dschungeltempel

Ca. 70 km und zwei Stunden mit dem Tuk Tuk von Siem Reap entfernt liegt ein weiterer Tempel – Beng Mealea. Hier gibt es Geschichte zum Anfassen – noch. Die Tempelanlage bietet laut Reiseführer neben Ta Promh die ultimative Indianer Jones Erfahrung. Und es ist wirklich so. Der Tempel ist vollkommen vom Dschungel eingenommen worden. Überall wachsen Bäume auf den Mauerresten, die Baumwurzeln schlängeln sich durch ehemalige Türen und Fenster. Und das unfassbare ist, man darf überall herumklettern – keine Absperrungen, keine Verbotsschilder. Da kann die do-it-yourself Erkundungstour schon mal über vier Stunden dauern. Stefan ist mit einer unglaublichen Ausdauer über und durch den Tempel geklettert, Julia kam da kaum hinterher und hat am Ende als erste vor Hitze, Hunger und Mücken kapituliert.

Doch auch in Beng Mealea fallen langsam die Touristengruppen ein, denn die Straße ist jetzt asphaltiert und die Anreise somit um einiges leichter als noch vor ein paar Jahren. So viel halten die Sandsteinruinen nicht aus. Und so ist es nur noch eine Frage der Zeit bis die Besucherströme auf vorgefertigten Wegen komplett durch den Tempel geleitet werden und ein Abstecher in die Türme und Gräben verboten wird. Mit Recht.

Triumph im Tuk Tuk

Wir sind noch nie Tuk Tuk gefahren, ohne nicht irgendwie darüber nachzudenken, wie sehr wir bei der Preisverhandlung gerade übers Ohr gehauen wurden. Das betrifft nicht nur den Preis, den wir zahlen, sondern auch die Zeit, die wir im Tuk Tuk verbringen. Nachdem unser Bustripp von den 4.000 Island nach Siem Reap über 18 Stunden anstatt der geplanten 12 Stunden gedauert hat (der Busfahrer wusste, dass es so lange dauert, hat es aber gekonnt weg gelächelt und uns knallhart ins Gesicht gelogen), hat auch unser Tuk Tuk Fahrer in Siem Reap aus der Strecke nach Beng Mealea aus über 2 Stunden knappe 1,5 Stunden gemacht, nur damit wir mit ihm fahren. Und auch wenn es nur eine halbe Stunde ist, diese Zeitlügen haben genau so ein System wie die überhöhten Fahrpreise – da sind wir uns sicher! Tuk Tuk Fahrer haben bei uns inzwischen ein so negatives Image, dass wir lieber bei brütender Hitze mit Gepäck durch die Stadt laufen, als uns auf eine erneute Verhandlung einzulassen. Bis gestern! Gestern haben wir es doch noch einmal versucht und als der Endpreis bei $ 1 stand hat uns der Tuk Tuk Fahrer doch glatt gefragt, ob wir hier wohnen würden. Oder woher wir sonst wüssten, dass man in Phnom Penh für $ 1 überall hinkommt. Das war unser Tuk Tuk Sieg. Am besten wir fahren nie wieder Tuk Tuk, einfach um das triumphierende Gefühl zu behalten!

Nach genau einer Woche in Kambodscha geht’s schon wieder weiter. Nicht dass es uns hier nicht gefallen hätte, aber wir müssen ja auch mal vorankommen :-). Next Stop: Philippinen! Schon seit Wochen freuen wir uns auf unser Robinson Crusoe Abenteuer. 4 Wochen Palawan und mit dem Seakajak auf Traumstrandsuche.

4 thoughts

  1. Einfach fantastisch in Text und Bild! Mehr fällt mir dabei wirklich nicht ein! Kann es da noch eine Stegerung geben?! Ich wünsche Euch eine glückliche Weiterrreise!

  2. Meinem Vorkommentator (Horst) kann ich mich nur anschließen. Eure Erfahrungen beim Tuk Tuk Fahrten stärken nur Euer Selbstbewusstsein für zukünftige Erlebnisse auf Eurer Weltreise. Viel Glück!!!!

  3. Hallo Ihr Zwei!
    Das sind ja wieder atemberaubende Bilder: Julia als „Dschungel-Jane“ in den wohl schönsten Ruinen weltweit – herrlich! Wenn man bedenkt, dass wir hier in der Heimat meistens an den Ruinen der Städte kopfschüttelnd vorbeihasten und uns wünschen, dass dort Neues entsteht, wäre es doch mal interessant, wie manch Abbruchhaus aussieht, wenn es von solch imposanten Baumwurzeln und Lianen überzogen ist, oder?!? Bewahrt Euch diese tollen Eindrücke in Euren Herzen, denn dort kann man sich diese Erinnerungen jederzeit wieder hervorrufen! Liebe Grüße und weiterhin „Gute Reise“ wünscht Euch Beiden
    Maren
    P.S.: Gerade in diesem Augenblick gehen vor meinem Fenster erste Schneegraupel-Schauer nieder – es wird Winter!

  4. Die Bilder sind genial! Atemberaubend.

    Die Referenz zu den Menschenmengen werden nur diejenigen begreifen, die in Asien bereits waren und damit einige Erfahrungen gesammelt haben :)

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