Palawan im Seakajak

Zwölf Tage und elf Nächte waren wir unterwegs. Man könnte die Strecke, die wir zurückgelegt haben, zwar durchaus schneller schaffen, aber wir haben uns Zeit gelassen. Und es hat sich wirklich gelohnt! Das Wasser rund um die 45 Inseln des Bacuit Archipels ist so klar, dass man vom Kajak aus die Fische beobachten kann und nicht einmal zum schnorcheln aussteigen muss. Weißer, feiner Sandstrand trifft auf grauen, schroffen Kalkstein. Dazu gibt’s Palmen und blauen Himmel – bestes Südseefeeling für Budget Traveller!

Wir haben uns aus verschieden Gründen für das Bacuit Archipel auf Palawan entschieden. Zum einen natürlich wegen der wahnsinnigen Kalksteinfelsen. Zum anderen wegen der guten Erreichbarkeit vom Festland aus. Nicht zu weite Distanzen zwischen den Inseln und ein vom offenen Meer geschützter Teil des Archipels sind außerdem ziemlich gute Vorrausetzungen für unser Robinson Crusoe Abenteuer gewesen. Campen am Strand ist grundsätzlich erlaubt und die Kajakmiete ist erschwinglich. Allerdings war es gar nicht so einfach geeignete Kajaks zu finden. Auf den Philippinen sind Sit-on-Top-Kajaks sehr verbreitet. Diese haben jedoch kaum Stauraum für Essen oder Gepäck und sind somit für Mehrtagestouren ungeeignet. El Gordo Adventures ist der einzige Kajakverleih in ganz Palawan, der immerhin ein Sit-inside-Kayak und einige Sit-on-Top-Kajaks mit Staufächern hat.
Gordo war super! Wir haben unsere geplante Route und auch die potentiellen Übernachtungsmöglichkeiten mit seinem Wissen kombiniert und so eine perfekte Tour zusammengestellt. Wir hatten ähnliche Bedingungen wie in Schweden erwartet. Nur hatten wir es hier mit viel mehr offenem Meer zu tun und somit waren Wellen und Wind ein sehr viel limitierender Faktor als wir gedacht hatten. Diese waren unter anderem auch dafür verantwortlich, dass wir erst eine Woche später als geplant losfahren konnten. Gordo hat teilweise gezweifelt, ob wir all die Schlüsselstellen schaffen (ohne extra Bootunterstützung) und uns somit auch ein wenig verunsichert, aber wir haben uns nicht trotzdem aufhalten lassen und wollten es zumindest versuchen – und haben es natürlich auch geschafft! Am Ende war alles eine Frage des richtigen Timings bzw. von Augen zu und durch!

Womit wir nicht so richtig gerechnet hatten waren die plötzlichen Wetterumschwünge. Von strahlendem Sonnenschein bis tropischen Sturm, von spiegelglattem Meer bis zu meterhohen Wellen, von Gegenwind bis Rückenwind war alles dabei und das innerhalb weniger Stunden. Man könnte sagen, das Wetter war konstant unsicher. Dennoch hatten wir viel Glück und haben ein außerordentlich gutes Wetterfenster erwischt. Mal abgesehen von diesem einen Tropensturm, der einen ganzen Tag lang wütete. Wir saßen auf der Insel Matinloc am Strand fest und nur unser Zelt bot uns Schutz vor Sturm und Regen. Kälte hatte das Unwetter nicht gerade mitgebracht, so das ein Ausflug nach draußen in Badeshorts durchaus möglich war. Nur ist man dann binnen fünf Sekunden total nass gewesen. Fettes Lob an dieser Stelle an Hilleberg für das stabile Zelt. Das Zelt ist der Wahnsinn und hält wirklich alles aus. Ein wenig Angst (zumindest bei Julia) war in den 18 Stunden trotzdem dabei. Erst im Nachhinein wussten wir, dass der Tropensturm „Basyang“ mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h über uns fegte und auf seinem Weg über die Philippinen sechs Menschen das Leben kostete.

Verlauf Tropensturm
Quelle: pagasa.dost.gov.ph

„Perfect Beach“

Wer einmal nach El Nido kommt bucht mindestens eine Island Hopping Tour auf der Suche nach dem perfekten Strand. Die weißen Sandstrände, die hohen Felsen, Palmen und Korallenriffe locken immer mehr Touristen in das einst ruhige Fischerdorf El Nido. Die Stadt erlebt momentan eine touristische Hochphase. In der Hauptsaison fahren jeden Tag über hundert Boote raus, um die Touristen zu den feinen Sandstränden und den atemberaubenden Lagunen zu bringen.

Das Wunderbare am Seakajaken ist die absolute Unabhängigkeit und das flexible Zeitmanagement. So hatten wir die schönsten Strände und Lagunen meistens für uns allein. Man muss nur wissen, wann die Boote auftauchen. Wenn man morgens um 10:00 Uhr noch glaubte an einem einsamen Sandstrand zu sein, so war spätestens um 12:30 Uhr klar, dass man den Strand mit bis zu 15 Tour-Booten teilen musste. Aber schon nach einer oder anderthalb Stunden war der Spuk wieder vorbei. Die Boote fuhren zum nächsten Tour-Stopp bzw. kehrten am Nachmittag nach El Nido zurück und wir waren wieder allein. Manche Strände hat man mit Glück sogar tagelang für sich allein. Genauso haben wir unseren „Perfect Beach“ auf Matinloc gefunden: Ein relativ steiler Sandstrand an das ein kleines Plateau mit Palmen anschließt. Perfekt zum Zelten und chillen in der Hängematte. Die Bucht ist umrahmt von Felsen und nach hinten geht es in den Dschungel hinein. Morgens begrüßen einen die Affen vom Baum und die Schildkröten aus dem Wasser. Und das Beste ist, man hat den ganzen Tag Ruhe und kann einfach nur genießen.

Wir hatten uns die Suche nach dem „Perfect Beach“ jedoch etwas einfacher vorgstellt. Es gibt zwar einige perfekte Strände, nur sind diese meist privat und abgesperrt. Wenn nicht gerade ein Luxus-Resort an den Strand gebaut ist, gibt es zumindest Security, die auf den Strand aufpasst – was auch immer es da zu bewachen gilt?!? Das philippnische Gesetz sagt zwar, dass der Strand an sich öffentlich ist, aber in der Realität heißt das leider nicht, dass man auch überall Zugang bekommt, geschweige denn dort auch schlafen kann. Zum Zelten haben wir aber doch jeden Abend etwas gefunden. Man darf eben nicht zurückschrecken, wenn man von der Security mit Waffe am Strand begrüsst wird. Erschossen wurde hier noch niemand und nett sind die Herren in der Regel auch. Ein besonders hilfsbereiter Securitymann namens Richie hat uns sogar beim Zeltaufbau und Fischausnehmen geholfen.

Food & Beverage

Mit dem Seakajak reisen, heißt kompakt packen und gut kalkulieren. Insbesondere, wenn es auf dem Weg nur wenige bzw. keine Möglichkeiten gibt an Trinkwasser zu kommen. Da wir nicht das erste Mal auf diese Weise unterwegs waren, fiel es uns relativ leicht zu kalkulieren, wie viel Essen und Trinkwasser wir brauchen. Wir haben versucht pro Tag zusammen mit 6 Litern Wasser, 200g Oatmeal, 500 g Nudeln bzw. Reis und zwei Dosen Thunfisch auszukommen. Natürlich gab es für die Abwechslung auch Tomatensause und ein paar Gewürze plus Zwiebeln und Knoblauch. Für den Heißhunger hatten wir Kekse und Nüsse dabei. Und für den Rum natürlich ein paar Zitronen. Julia war glücklich mit dem Essen , so gab doch  fast jeden Tag Nudeln – und Stefan hat sich über seine tägliche Dose Thunfisch gefreut. Wir sind ziemlich stolz auf unsere Kalkulation, denn es ist sich alles genau ausgegangen, ohne sparen zu müssen und inklusive der notwendigen Sicherheitsreserven. Wer Fischen kann ist übrigens schwer im Vorteil. Dann kann der Dosenthunfisch gegen frischen Fisch eingetauscht werden. Da wir keine passionierten Fischer sind und nie ein Fisch am Haken hatten (wir haben unsere Angelschnur immer hinter den Kajaks hergezogen), haben wir den Locals den frisch gefangen Fisch einfach abgekauft. Geht aber auch nur, wenn gerade Fisch da ist bzw. man zufällig an einem Fischerdorf vorbeikommt. Für solche Dorfbesuche hatten wir außerdem extra ein paar Süßigkeiten für die Kids eingepackt. Aber bevor man die Lollipackung rausholt, sollte man wissen wie viel man dabei hat, denn in den Dörfern wimmelt es nur so vor Kindern. Und alle sind da, wenn Gäste zu Besuch kommen.
Gekocht haben wir übrigens über dem Feuer. Unser neu erstandener philippinischer Gaskocher hat nämlich bereits an Tag 2 das Zeitliche gesegnet. Geht schneller, ist günstiger und romantischer ist es allemal!

Die komplette Packliste für unseren zweiwöchigen Seakajak-Trip gibt es hier.

Die 12 Tage haben unsere Erwartungen übertroffen. Und bei Stefan ist das nicht gerade einfach. Insbesondere der Sturm hat aus dem Trip ein Abenteuer und unser ganz persönliches Robinson Crusoe Erlebnis gemacht.

Nach unserem Trip hatten wir auf Palawan noch ein paar Tage Zeit, bevor die Weltreise weiterging, und haben diese in Port Barton verbracht. Und auch hier haben die Filipinos wieder einmal gerockt. Noch nie hat uns jemand in Asien darauf hingewiesen, dass wir gerade den teureren Saft ausgewählt haben und doch lieber den günstigeren nehmen sollten, dass die Bananen, die wir gerade kaufen erst am nächsten Tag gut schmecken würden und dass der öffentliche Bus einen vom Beachcottage abholt, wenn man zu spät dran ist. Gegenseitiger Respekt, auch bei Verhandlungen von Tricylefahrpreisen, ist auf Palawan selbstverständlich. Wir hatten hier nie das Gefühl zu viel zu bezahlen – wie das ja leider in anderen asiatischen Ländern so üblich ist. Ehrlicher Tourismus vorgelebt – It’s more fun in the Philippines! Und ja, wir haben uns ein wenig in Palawan und die Menschen, die dort leben, verliebt. Es war mit Sicherheit nicht unser letzter Besuch.

Als nächstes geht’s anders als ursprünglich geplant noch einmal für einen Monat nach Indonesien. Dort starten wir unseren ersten Surf-Roadtrip ever…

Update vom 02.03.2014: Auf diesem Trip hatte Julias neue GoPro ihren ersten Einsatz. Jetzt ist auch endlich das Video online:

3 thoughts

  1. Das hört sich mal ziemlich lässig an… dazu die netten Getränke in der Hängematte. Wie wollt ihr euch eigentlich jemals wieder für das 9 to 5 Arbeitsleben motivieren? Viel Spaß beim anstehenden Surftrip! Ride on

  2. Beim Betrachten der wieder mal tollen Bilder und dem präzisen Kommentar kamen mir die Gedanken: So muss es im Paradies gewesen sein; denn das ist das Paradies – vorgestellt von Adam und Eva.
    Ihr seid nach diesen Schilderungen wirklich überlebensfähig; denn ihr habt Euch mit der Natur arrangiert und sie geachtet. Viel Glück auf Euren weiteren Steps.

  3. Endlich mal Zeit, die Bilder und Notizen zu eurer Traumreise durchzuschauen.
    Bin total fasziniert von beiden und wünsche euch noch viele wunderbare Erlebnisse. Und es war wohl definitiv die richtige Entscheidung!!!!
    Der Winter in Tirol war und ist total schneelos, ihr habt rein gar nichts versäumt:)

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