Neuseeland – Der Norden

Wie cool ist es eigentlich, dass sich Chrissi und Yvonne für 20.000km in den Flieger nach Neuseeland setzen, um mit uns Volltouristen zu reisen. Mit klein Martha im Schlepptau haben sie einen Campervan gemietet und sind mit uns zwei Wochen auf der Nordinsel rumgekurvt. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle für das folgsame Hinterherfahren, trotz Julias Links-Rechts-Schwäche und den damit verbundenen kleineren Umwegen, das erste Grillfest nach fast neun Monaten und die vielen Siegerweine, die wir mit euch getestet haben.

Die Challenge: Urlauber, die reisen.

Bisher waren wir fast ausschließlich zu zweit unterwegs. Inzwischen würden wir uns selbst als ein ziemlich eingespieltes ,Traveller Team‘ bezeichnen. Jeder weiß im Grunde, was er dem anderen reisetechnisch zumuten kann und was der andere für Vorstellungen hat. Zu fünft reisen heißt andere Bedürfnisse und Erwartungen berücksichtigen, mehr Kompromisse eingehen und neue Entscheidungswege finden. Aber es heißt auch mehr Gesellschaft, anderer Gesprächsstoff und neue Inspirationen. Eine zusätzliche Challenge entsteht, wenn sich ,Urlauber‘ und ,Reisende‘ zusammen auf den Weg machen. Chrissi und Yvonne, die ,Urlauber‘, die mitten aus dem Arbeitsalltag kommen und obendrauf noch einen 30 Stunden Flugmarathon hinter sich haben, um dann am Flughafen festzustellen, dass das Gepäck erst am nächsten Tag ankommt. Wie soll man da bitte im Urlaub ankommen, geschweige denn vom Alttag runterkommen? Keine Chance. Jeder weiß schließlich, dass es eine gewisse Zeit braucht, um sich auf ein neues Abenteuer einzulassen. Auf der anderen Seite wir, die ,Reisenden‘, die im Grunde ohne jeglichen Alltagsstress im Rücken sind. Das einzige worüber wir momentan reden und nachdenken ist Reisen. Die Länder, die wir bereits gesehen haben und die Länder, die wir noch bereisen wollen, was das alles kostet und was sich wirklich lohnt. Es gibt keinen Chef, keinen Kunden und kein zu Hause über das man berichten könnte. Anders ist es natürlich bei den ,Urlaubern‘. Da spielen Chef, Kunden und zu Hause eine ganz zentrale Rolle. Mit diesen unterschiedlichen Voraussetzungen haben wir zwei Wochen lang jongliert. Klar, dass da ab und zu auch mal ein Ball auf den Boden fällt. Jeder hat eben unterschiedliche Erwartungen, an sich, an die anderen und an das Land, das wir zusammen bereisen.

Alle Himmelsrichtungen

Zu fünft haben wir in der ersten Woche Northland und die Bay of Islands bereist. Die Abbey Caves bei Whangerei waren ein echtes Do-it-yourself-Abenteuer. Es ging auf eigene Faust durch drei Tropfsteinhöhlen, durch die ganze Bäche flossen. Die Glühwürmchen an der Decke waren zwar wunderbar anzusehen, nur Licht haben sie nicht wirklich gespendet. An der Ostküste konnten wir sogar wieder surfen – der Surfspot war mit uns beiden dann auch überfüllt ;-) – und sogar Martha hat eine Surfsession hingelegt. Überhaupt eine Wahnsinnsküste mit unzähligen Surfspots, Stränden und Premiumgrundstücken, die dort zum Verkauf stehen. Dann ging es einmal quer von Osten nach Westen bis zum Ninety Mile Beach. Unser Auto „Slick“ wurde auf Herz und Nieren im Sand getestet – fahren am Strand gehört hier zum normalsten der Welt –  Julia hat sich kurzzeitig in einen Hundewelpen verliebt, der sich nachts zum Schlafen ins Zelt geschlichen hat und welch Überraschung, auch Surfen kann man am Ninety Mile Beach. Vom Westen ging es dann weiter zu den Kauri Bäumen (nach den Mammutbäumen, die wohl größten Bäume überhaupt) Richtung Süden. Und dann änderte sich das Wetter.

Kaum waren wir nach einem langen Fahrtag in Roturoa angekommen,um die zweite Urlaubswoche einzuläuten, hat sich die Sonne verabschiedet und Petrus hat das Herbstprogramm gestartet. Irgendwie passend zu blubbernden Mudpools und spukenden Geysiren, für die die Region um Rotorua berühmt ist. Regen und Wind wurden allerdings zum Dauerbegleiter. Die geplante Vulkanwanderung, das berühmte Tongariro Crossing mussten wir leider abblasen. Stattdessen ging es wieder an die Küste. Irgendwo zwischen der Bay of Plenty und der East Coast haben wir die letzten Tage zusammen gemütlich und mit einigen Flaschen Wein im Beach House verbracht.

In den zweiten zwei Wochen Neuseeland mussten wir feststellen, dass die Nordinsel doch ganz schön groß ist…

Kilometer vs. Stunden

Entfernungen bedeuten in Neuseeland gar nichts. Die Straßen sind alles andere als gerade und somit zählt am Ende nur die Fahrtzeit von A nach B. Schnell sitzt man mal eben einen ganzen Tag im Auto, auch wenn man nur 250 km Strecke zurückgelegt hat. Aber die Zeit, die bei den ständigen Stopps zum gucken, fotografieren, Käffchen trinken und nur mal eben in den Wald gehen draufgeht, summiert sich schnell zu einem Tag zusammen. Und spätestens seit die Uhren auf Winterzeit umgestellt wurden, wird es manchmal schwierig noch vor Einbruch der Dunkelheit den Campingplatz zu erreichen.

Erreichbarkeit

Apropos erreichen: In Neuseeland ist dann irgendwie doch alles leicht erreichbar. Neuseeland ist außerdem das bisher barrierefreieste Land, in dem wir waren. Überall kommt man mit dem Auto hin – auch wenn es oft über Schotterstraßen geht. Die natürlichen Attraktionen sind immer gut beschildert, bevorzugt nahe an der Hauptstraße gelegen und durch breite Wege zugänglich gemacht. Im Wald werden Baumwurzeln mit Holzstegen ausgeglichen. Sogar der einfachste Campingplatz ist mit rollstuhlgerechtem Plumpsklo ausgestattet. Auf der einen Seite echt super, auf der anderen Seite echt langweilig. Das Abenteuer oder die Salafari, wie Martha es nennt, bleiben irgendwie auf der Strecke. Selbst Wanderwege suggerieren einem das Gefühl, dass Menschenmassen bewusst kanalisiert werden. Alles, was in Neuseeland nicht landwirtschaftlich oder industriell genutzt wird ist vom DOC (Department of Conversation) in irgendeiner Form als Highlight für Touristen ausgeschrieben. Wenn man akzeptiert, dass in Neuseeland jeder nur mögliche Quadratzentimeter touristisch genutzt wird, ist das Land wunderbar. Ansonsten muss man seine Erwartungshaltung ziemlich schnell überarbeiten.

Preissteigerung

Und doch noch etwas zum Thema touristisch nutzen bzw. ausnutzen: Neuseeland ist teuer, keine Frage. Wir wussten das vorher und wollten eigentlich auch gar nicht darüber schreiben. Aber Touristen werden ausgenommen wie die königliche Weihnachtsgans. Königlich weil, es nicht mal eben $ 5,00 hier und $ 10,00 da sind, nein unter $ 30,00 fangen Eintrittspreise gar nicht an. Besonders kommerzielle Aktivitäten sind nicht unter einem dreistelligen Dollarbetrag zu bekommen. Das schockierendste daran ist, dass sich die Preise innerhalb der letzten 10 Jahren teilweise verdoppelt haben – ohne dass sich die Leistung in irgendeiner Form verändert hätte. Eine kleine stichprobenartige Studie mit Unterstützung eines Reiseführers von 2003 zeigte uns, dass ausnahmslos alles teurer geworden ist. Der einzige Lichtblick für überteuerte, kommerzielle Touristenattraktionen ist bookme.co.nz. Eine Online-Plattform, die einige Aktivitäten in den Haupttouristenorten mit teilweise erheblichen Preisreduktionen anbietet. Und das sogar ohne Hintertürchen. Wir haben es selbst ausprobiert.

An dieser Stelle ziehen wir übrigens keinen Vergleich zu Asien, denn Neuseeland/Australien und Asien sind nicht vergleichbar. Zwei komplett unterschiedliche Systeme und jedes steht für sich. Jedes hat ist auf seine Art wunderbar und hat seine Annehmlichkeiten. Absolut nicht vergleichbar. Und trotzdem… es ist sauteuer hier :-)

One thought

  1. Hallo Ihr Zwei!
    „Frohe Ostern“ aus Bad Schwartau (bin wieder zuhause)! Vielleicht habt Ihr ja auch am anderen Ende der Welt Ostereier gesucht und hoffentlich gefunden? Die Bilder sind wieder super geworden und die Strände……beneidenswert!!! Habt weiterhin viel Spaß beim Reisen und Entdecken. Liebe Grüße von Maren

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