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Tropensturm 2.0

Das Zelt ist an seine Grenzen gestoßen. Aber Schuld daran ist definitiv nicht das Zelt! Es war der Boden, der nach über 24 Stunden Dauerregen einfach zu weich war für die Heringe. Und es war der Wind, besser gesagt wieder einmal ein tropischer Sturm, der das Zelt auf dem Hügel, auf dem es aufgestellt werden musste, da es an jeder anderen Stelle auf dem Campingplatz abgesoffen wäre, einfach weggeweht hat.

Wir hatten den Tag mit Schlechtwetterprogramm in Napier (Hawke’s Bay) gut gefüllt: Shoppen, Kaffeetrinken, Kino. Und als wir spät am Abend zurück auf dem Campingplatz ankamen, haben wir unser Zelt gesucht. Wind und Regen hatten es vom Platz gefegt. Es konnte sich lediglich an einem Hering klammern und das war seine und unsere Rettung. Dieser eine Hering, immerhin ganze 16 cm lang, hat das ganze Zelt für wer weiß wie lange gehalten. Auch wenn der Wiederaufbau relativ schnell ging, der Boden war einfach zu aufgeweicht und die Heringe wollten nicht halten. Selbst lange Stöcke, die wir zusammengesucht hatten, ließen sich im Boden versenken, wie in warmer Butter. So kam es, dass wir die Nacht nicht im Zelt, sondern in einer dieser sonderbaren Cabins verbracht haben. Nicht weil wir es wollten, sondern weil der Campingplatz-Chef für sich beschlossen hatte, er hätte eine ruhigere Nacht, wenn wir nicht im Zelt sondern in der Cabin schlafen würden. Ohne Aufpreis, einfach so. Den Te Awanga Holiday Park kann man deshalb wärmstens weiterempfehlen – auch ohne Sturm. Und so haben wir Tropensturm Nr.2 ganz gemütlich in einer Art Baucontainer verbracht, der anderswo für $ 100,- die Nacht verkauft wird. Am Ende kann man sagen: Unser Zelt ist immer noch das Beste, aber neue, und vor allem längere (22 cm) Heringe haben wir jetzt – nur für den Fall, dass es noch einmal regnen sollte.

Wein, Art Deco und immer schönes Wetter steht in der Hawke’s Bay eigentlich auf dem Programm. Art Deco beschreibt die Architektur, die in Napier und Umgebung zu finden ist. Grund für das ausgeprägte Vorkommen in Napier ist das Erdbeben von 1931, das die Stadt fast vollkommen zerstört hat. Art Deco lag damals im Trend. Hinzu kam, dass der Baustil günstig und sicher ist. Nach dem Regenausnahmetag in Napier kehrte auch schnell die Sonne zurück und hielt und noch ein paar Tage in der Region fest, da im Rest von Neuseeland immer noch Land unter angesagt war.

Taranaki – Wandern und Surfen

Great Walks – so heißen die berühmten Wanderungen in Neuseeland. Eine Kurzfristige Entscheidung, mal eben einen der Great Walks zu machen, ist quasi unmöglich. Die Hütten sind Monate im Voraus ausgebucht. Und weil wir in der Regel ja eher kurzfristig entscheiden, haben wir uns langfristig gegen die Great Walks entschieden. Dafür hatten wir eine wirklich großartige Wanderung in der Taranaki Region. Der Mt. Taranaki (2.518 m) hat einen perfekt symmetrischen Vulkankegel wie kein zweiter Berg (abgesehen vom Fuji in Japan vielleicht). Und weil die Taranaki Region eine weitere für Neuseeland legendäre Surfregion ist, sind wir aus doppeltem Grund dort gelandet. Und wir hatten verdammtes Glück. Denn der Mt. Taranaki ist zusammen mit dem Fiordland auf der Südinsel eine der regenreichsten Regionen in Neuseeland – auch wenn ganz Neuseeland momentan regenreich ist… Aber wir hatten einen perfekten Sonnenauf- und -untergang. Schwer zu sagen, was besser war. Und wir hatten zwei tolle Nächte in der Hütte. Das Schöne an den Nicht-Great-Walks ist nämlich, dass neben Touristen auch die Kiwis selber dort unterwegs sind. Und so ergab es sich, dass sich eine interessante Mischung aus Touristen, Einheimischen und Zugewanderten zusammengefunden hatte, die sich mit neuen, alten und ungewöhnlichen Themen den Abend am Ofen vertrieb.

Vor unsere Wanderung um den Mt. Taranaki haben wir beschlossen, unsere Surfboards zu verkaufen. Gut, beschlossen hatten wir das schon lange vorher, aber wir wollten sie vor dem Übersetzen auf die Südinsel verkauft haben und weil das Datum näher rückte, haben wir sie auf Trade me (das neuseeländische Ebay) online gestellt. Wir haben nicht mit dem Ansturm gerechnet, den wir auf die Surfboards dann hatten. Keine zwei Stunden online und die Dinger wären weg gewesen, hätten wir einen „Sofort kaufen“ Button installiert. Aber so konnten wir die Trennung von unseren inzwischen geliebten Boards noch etwas hinauszögern. Der Surf-Roadtrip Nummer sollte vorbei sein und das, obwohl surfen in jeder zweiten Bucht in Neuseeland irgendwie möglich ist. Wir haben in den letzten Wochen versucht alle Wellen zu bekommen, die für uns surfbar waren – aber gefühlt war auch das nicht genug. Und trotzdem wir die Surfboards jetzt für den Moment verkauft haben – von richtig langer Dauer wird der Zustand „ohne Board“ hoffentlich nicht bleiben. Aber fürs Erste… Die Boards bleiben übrigens zusammen. Wir haben schnell jemanden gefunden, der uns beide Boards fast zum gleichen Preis abgekauft hat, wie wir sie gekauft haben. Guter Deal: Surfboard auf Bali kaufen, zwei Monate damit surfen und dann zum gleichen Preis in NZ wieder verkaufen.

Es gab, unterstützt von erneutem Regen, trotzdem eine Surfboard-Trauerphase. Leere, Langeweile, was kommt danach?!  Die Frage ist nach sechs Wochen auf Nordinsel dann doch leicht zu beantworten: Jetzt ist die Südinsel dran.

Insgesamt achtmal haben wir auf der Nordinsel die Küstenseite gewechselt, sind von West nach Ost und wieder von Ost nach West gefahren. Immer auf der Suche nach guten Surfwellen. Nach der Abreise von Chrissi und Yvonne sind wir an der Ostküste Richtung Hawke’s Bay gefahren. Von dort einmal quer rüber bis ins Taranaki / New Plymoth, um wieder zurück zum Castle Point (Stefans großes erklärtes Ziel auf der Nordinsel) zu fahren. Ein letztes Mal haben wir die Insel Richtung Wellington durchkreuzt. 5.200,00 km haben wir im Auto gesessen bis wir auf der Fähre von Wellington nach Picton standen. Die Sündinsel wird anders werden. Zum einen weil wir keine Surfboard mehr dabei haben und uns auf eine Küstenseite konzentrieren können, zum anderen weil es noch kälter wird. Ab sofort heißt es warm anziehen und jede Sonnenstunde auskosten. Die Tage werden immer kürzer, der Winter steht hier kurz vor der Tür. Ohne Surfen bleibt uns auf der Südinsel wenigstens mehr Zeit fürs W: Wandern, Wein und (OK, wir geben es zu, wir können nicht genug davon bekommen) Wellen schauen :-).

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