Gletscher im Wilden Westen

Wir sind in der USA. Das war nie unser Plan. Aber wer braucht schon Pläne ;-). Eigentlich wollten wir durch den Westen Kanadas bis in die Rocky Mountains fahren, aber nach einer Woche in Vancouver und unzähligen Tipps und Empfehlungen von Anja, Basti und all ihren Freunden haben wir uns für eine Alternativroute durch die USA entschieden und die drei Bundesstaaten Washington, Idaho und Montana mitgenommen. Wir haben das Wild West Städtchen Winthrop unsicher gemacht, Bärenspuren im Wald wie echte Indianer gelesen (und dann tatsächlich direkt an der Straße einen Grizzly gesehen), unser Hilleberg „Tipi“ im U.S. National Forrest aufgeschlagen, raue Jungs kennengelernt und mit Mücken gekämpft. Nur aufs Pferd sind wir nicht gestiegen. Stefan hat das Mongolei-Trauma noch nicht ganz überwunden. Dafür hat Stefan unserem kleinen Mietauto alles abverlangt.

Grenzgänger

Die Einreise in die USA ist nicht ganz vorurteilsfrei, auch wir hatten einen gewissen Respekt und uns deshalb ganz vorbildlich mit Weiterflugticket, ESTA-Antrag und positiven Kontostand ausgerüstet, um sicher ins Land zu kommen. Am Flughafen in L.A. haben wir dann das erste Mal den amerikanischen Boden betreten. Der freundliche Mann am Zoll wollte noch nicht einmal wissen, wohin wir wollen, schon war der Stempel im Pass. Wir sind ja eh erst einmal weiter nach Vancouver, Kanada geflogen. Das zweite Mal sind wir dann eine Woche später über Land eingereist. Bei dem kleinen Grenzübergang Abbotsford hat man wenigstens die Standardfragen nach Alkohol und frischen Früchten/Gemüse gestellt, aber den Pass wieder nur überflogen und uns gleich durchgewunken. Wir haben uns also völlig umsonst Stress gemacht und werden uns ab sofort wieder entspannt zurücklehnen, wenn es um Grenzgänge geht.

Der Wilde Westen

Wenn man nach Winthrop kommt, ist man mitten im Wilden Westen angekommen. Das Stadtdesign bietet Old West Style an jeder Ecke. Das macht es zwar zu einer Touristenattraktion, aber im Gegensatz zu Wild West-Attrappen fällt die Front nicht gleich nach hinten um, wenn man die Saloontür mit den gerade neu erworbenen Cowboystiefeln auftritt. Alle Häuser sind in irgendeiner Form bewirtschaftet – die meisten natürlich mit touristischem Hintergrund, aber das Stadtkonzept ist durchgängig inkl. moderner Lösungsansätze: Das Pferd wurde von Auto oder besser Pick Up und Truck abgelöst und als Futterquelle dient die ortsansässige Wild West-Tankstelle. Wer in die Bank geht, wird immer noch mit massiven Gitterstäben konfrontiert, aber dahinter befindet sich zur Abwicklung der Bankgeschäfte die neueste Generation von Apple Computern. Gleiches gilt im Übrigen auch für das Büro der Immobilienmakler.

Winthrop liegt am östlichen Rand der Nordkaskaden, die dichte Wälder, alpine Wildnis und super Schotterstraßen haben. Dass wir keinen Pick Up sondern ein kleines Stadtauto als fahrbaren Untersatz hatten, war für Stefan kein Hindernis. Am Hart’s Pass hat das Auto dann aber kapituliert – hier ein kleines Video vom Hart’s Pass zur visuellen Veranschaulichung (Empfehlung – ab 1:55 Min wird’s interessant – da waren wir mit unserem Accent auch noch). Für den Fall, dass mal jemand Offroad mit einem Hyndai Accent unterwegs ist, Muren und tiefere Flussdurchfahrten schafft er nicht. Stefan’s einziger Kommentar: „Mit meinem Karohemd und 5-Tage-Bart hätten Sie mir besser gleich einen 4×4 Jeep oder anständigen Truck geben sollen, dann wären wir auch auf den Gipfel rauf gekommen und hätten an der zweiten Bachdurchfahrt nicht umdrehen müssen.“

Im Indianer Reservat

Ein paar hundert Kilometer weiter Richtung Osten liegt der Bundesstaat Montana. Wir haben nach gefühlten 20 Stunden Fahrt im Regen und einer klassischen amerikanischen Motelübernachtung irgendwo in Idaho den Glacier National Park erreicht. Leider kurz nach einem frühsommerlichen Schneesturm, sodass die Passstraße durch den Park für uns geschlossen blieb. Alternativen gibt es aber mehr als genug und so führte unser Weg u.a. durch das Blackfeet Indian Reservat. Wir sind in die Kultur des Blackfeet Stammes abgetaucht und haben durchaus mehr gelernt als wir aus den Winnetou Filmen kannten. Wie die Bezeichung dieses Stammes jetzt aber politisch korrekt ist, wissen wir immer noch nicht, und die Übersetzung ins Deutsche macht es noch einmal komplizierter. Nur eines ist sicher, keiner der Angehörigen des Blackfeet Stammes lebt mehr im Tipi. Das dürfen jetzt die Touristen machen. Alle Bewohner des Hauptortes Browing haben einen festes Dach über dem Kopf. Es scheint jedoch so wie bei anderen indigenen Völkern, dass die Häuser fast alle ziemlich einfach sind und teilweise ganz schön runtergewirtschaftet aussehen. Aber jeder so wie er es mag. Wir leben ja auch in unserem kleinen Zelt.

Das Reservat des Blackfeet Stammes dehnt sich noch weiter Richtung Norden bis nach Kanada aus – quasi unsere weitere Reiseroute. Es ging zurück über die Grenze nach Kanada…

3 thoughts

  1. Moin moin Ihr Zwei! Wieder herrliche Bilder und dafür, dass Ihr ja eigentlich nicht in die USA wolltet, habt Ihr doch viele schöne Bilder „geschossen“ und bisher tolle Momente erlebt, oder? Bleibt gesund und habt weiterhin viel Spaß auf der „Reise Eures Lebens“! Viele liebe Grüße von Maren

    P.S.: auch hier sind wieder einige Bilder dabei, die ich mir durchaus als Foto-Tapete an meinen „vier Wänden“ vorstellen könnte — ich glaube, ich muß in eine Villa ziehen, da habe ich dann genug Wandfläche… :-)

  2. Und wieder einmal eine super Reisebeschreibung von Euch. Es macht richtig Spaß, das am PC „mitzuerleben“ und die tollen Fotos und Videos kann man gar nicht genug ansehen. Weiter eine glückliche Reise. Liebe Grüße, Mutti

  3. Der Abstecher in die USA hat sich wohl doch gelohnt. Euer gewohnt eindrucksvoller Bericht mit den wieder einmal tollen Fotos versetzt uns immer wieder ins Schwärmen darüber, was ihr alles erlebt. Weiterhin viel Glück und eine „handbreit Wasser unterm Kiel“ bei Eurer Paddeltour auf dem Yukon River. Liebe Grüße
    Papa

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