Mit Baguette auf dem Jakobsweg

Zurück auf der Autobahn! Bis Cannes habe ich es auf der Landstraße durchgehalten. Dann habe ich festgestellt, dass ich die nächsten zwei Wochen durchfahren müsste, wenn ich rechtzeitig in Vigo sein möchte und dabei das Tempolimit und die Pausen, die wir brauchen, einhalte. Also Augen zu und durch! Die teure französische Autobahn habe ich mit der Kreditkarte gezahlt. Da kommt die Abrechnung nämlich erst nächsten Monat. Und schwupps… keine drei Stunden später waren wir schon in Montpellier. Von dort ging es dann durch Salinen und an Weingütern vorbei weiter gen Süden.

Fisch und Baguette

Mit der neu gewonnenen Zeit konnte ich jetzt neue Pläne machen. Da kam mir das Sea-Aquarium gerade recht. Ich mag ja Fische und jetzt, wo ich ein Kind dabei hab, komme ich mir gar nicht mehr so blöd vor, allein vor den Aquarien zu stehen und den Fischen beim fischen zuzugucken. Finn war allerdings wieder einmal mehr fasziniert von den Farben und dem Licht. Aber hauptsache ist doch, dass alle Spaß hatten.

Zur Mittagsstärkung gab es bei uns Baguette, so wie auch schon am Morgen und am Abend. Finn liebt Baguette. Das schmeckt ja auch einfach besser als Babybrei. Und schließlich waren wir in Frankreich.

Bei Perpignan ganz im Süden von Frankreich habe ich das Meer und auch die Autobahn wieder für ein paar Tage verlassen, um durch die Pyrenäen und bis nach San Sebastian in Nordspanien zu fahren. Großes Zwischenziel auf dieser Wegstrecke war Andorra. Nach Monaco der nächste Zwergen-Staat auf meiner Liste. Die Fahrt durch die Berge und Katalonien war überraschend schön, entspannt und abwechslungsreich. Berge soweit das Auge reicht und immer wieder kleine Städte mit bunten Steinhäuschen, alten Burgen und Kirchen. So auch in La Seu d’Urgell. Dort konnten wir außerdem das wöchentliche Treiben auf dem Markt beobachten und dem Kajaknachwuchs beim Trainieren zuschauen.

Kamera kaputt

In La Seu d’Urgell ist es dann auch passiert: Die kleine Kompaktkamera von Stefan ist mir vom Kinderwagen gerutscht und auf den Boden gefallen. Dabei sind Teile des Objektivs abgesprungen. Das war es nun also erst einmal mit meiner Fotokarriere. In Andorra war ich noch in zwei Geschäften, weil ich gehofft hatte, man könnte sie eventuell wieder richten. Funktionieren würde Sie ja theoretisch noch. Aber nein, die Kamera ist hin bzw. muss eingeschickt werden. Also werde ich ab sofort nur noch mit meinem Handy bzw. der GoPro fotografieren. Die GoPro ist vielleicht auch eher was für mich: wasserdicht und bruchsicher verpackt.

Somit konnte ich Andorra nicht so richtig genießen. Zwar haben wir sogar in der Stadt einen Parkplatz gefunden (auch wenn dort ausdrücklich geschrieben stand: Nicht für Wohnmobile…), aber die Sache mit der Kamera lies mich nicht los an diesem Tag. Also schnell billig tanken und weiter, damit ich auf andere Gedanken komme.

Surfen

Vor uns lagen über sechs Stunden reine Fahrzeit! Unser Tagesziel war Zarautz bei San Sebastian. Ich wollte wieder an die Küste. Ich hatte mich dort außerdem mit einer Freundin aus der Studienzeit, Adriane verabredet, die auch momentan in der Gegend unterwegs war.

Und dann erwartete uns nach dem langen Fahrtag ein weiterer langer Tag mit Regen. Den verbrachten wir dann eben im Bus mit Abwarten, Tee trinken und Filme schauen.

Als wir endlich wieder an den Strand gehen konnten, konnte ich sogar das machen, wofür ich in Spanien war: Surfen. Ich hatte mit Adriane und ihrem Freund gleich zwei Babysitter gefunden, sodass ich endlich eine Runde im richtigen Meer paddeln gehen konnte. Nach zwei Jahren wieder auf dem Brett zu liegen war etwas ungewohnt, aber doch ein gutes Gefühl. Epische Wellen bin ich zwar jetzt nicht geritten, aber darum ging es ja auch nicht. Ich war im Wasser!

Auf dem Jakobsweg

Auf unserem Weg trafen wir immer wieder auf Wanderer und Radfahrer. Man könnte sie auch als Pilger bezeichnen. Wir sind ungewollt auf dem Jakobsweg gelandet, besser gesagt auf einer Nordroute des Weges. Und da kam ich dann auch auf die Idee, der Stadt Santiago de Compostela, quasi dem großen Ziel dieses Pilgerwegs, einen Besuch abzustatten. Ich wollte mit Finn die ankommenden Pilger auf dem großen Platz vor der Kathedrale beobachten. Gesagt getan. Nachdem wir uns von Adriane verabschiedet hatten, sind wir auf Richtung Santiago. Da ich ja wieder einmal nicht die Wettervorhersage gecheckt habe, habe ich natürlich auch nicht gewusst, dass ich mir den heißesten Tag der Woche für diesen Stadtrundgang ausgesucht hatte. 35 Grad zeigte das Thermometer als wir in Santiago ankamen. Das war zu den bisherigen 16 Grad ein richtiger Temperaturschock. Nicht nur Finn ist ganz schön ins Schwitzen gekommen. Aber egal, ich wollte zu dieser Kathedrale.

Nachdem ich unser Wohnmobil ein Stück außerhalb der Altstadt geparkt hatte, bin ich mit dem Kinderwagen losgegangen. Schon auf dem Weg zur Kathedrale konnten wir viele bunte Pilger sehen. Dann haben wir uns auf dem Platz des Obradoiro ein schattiges Plätzchen gesucht, um die ankommenden Wanderer und Radfahrer zu beobachten. Zur Enttäuschung vieler, wird die Kathedrale momentan restauriert. Enttäuschung deshalb, weil ein schönes Abschlussfoto nur mit Stahlgerüst im Hintergrund möglich ist. Man konnte einigen Menschen diese Enttäuschung echt ansehen. Ich habe dies hautnah miterlebt, weil ich mich als kostenloser Finalfoto-Fotograf zur Verfügung gestellt habe. Natürlich habe ich nur mit fremden Kameras fotografiert und alle sind heile geblieben. Nach etwa einer Stunde wurde es dann aber zu heiß und auch das Innere der Kathedrale hat nicht die gewünschte Abkühlung gebracht. Deshalb ging es möglichst schnell wieder aus der Stadt raus zurück ans Wasser, wo wir jetzt noch zwei Tage Zeit haben, bis Stefan mit dem Flieger kommt.

Vigo ist nur mehr 30 Autominuten entfernt und somit in greifbarer Nähe.

 

 

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