Übernachtungsgäste unterwegs!

Der Weg auf die Lofoten war gefühlt schneller als nach Galizien, auch wenn die Strecke fast doppelt so weit war. Jetzt hatte ich aber Reisebegleitung auf dem Weg mit dabei. Mit meiner Schwester Andrea habe ich den Deutschlandtransit gemeistert. Normalerweise fahre ich die Strecke Innsbruck – Hamburg ohne große Pausen durch. Mit dem Van und Zwischenstopps für Finn haben wir aber dann doch zwei Zwischenübernachtungen eingelegt. Im Nachhinein war das auch gut so, denn wir hatten doch relativ viel Stau auf der Strecke. Für einen Abstecher im Outlet-Shopping-Center und im Schwimmbad war aber dennoch Zeit. Auf Andrea ist Verlass, wenn es um Finn geht, denn sie hat sich sehr gut um ihn gekümmert, als ich den Verpflegungsteil unserer Packliste abarbeiten musste. Dies beinhaltete einen Babybrei-Großeinkauf bei dm sowie einmal alles an Grundnahrungsmitteln im Supermarkt in Deutschland. Nur Nudeln und Kaffee hatten Stefan und ich schon einer Woche vorher in Italien gekauft. Nach dem Einkauf war nicht nur die Einkaufskiste voll, sondern der ganze Campervan. Bis auf ein paar frische Zutaten und Obst wollte ich damit vier bis fünf Wochen durchkommen.

Trotz der besagten Staus sind wir dann doch relativ stressfrei in Hamburg angekommen. Dort habe ich Andrea zu Hause abgesetzt. Sie war unsere Discoqueen an Board und hat Finn mit Musik wunderbar bespaßt. Ich war gespannt wie es mit Andi werden würde. Der ist nach einem kurzen Eltern- und Großeltern-Zwischenstopp in den Campervan gestiegen. Von Hamburg ging die Reise dann über Kopenhagen, Göteborg und Oslo bis nach Trondheim.

Mit Andi musste sich die Schlafsituation im Van ändern. Andrea hatte mit mir hinten im Bett geschlafen. Finn hatten wir auf seine Reisebettmatratze gelegt. Für Andi hatte ich aber ein extra Zelt dabei. Schließlich war Finn der Chef im Campervan! Und außer Papa kein anderer Mann geduldet. Somit veränderte sich auch die Schlafplatzsuche. Mit dem Zelt mussten wir schauen, dass wir einen geeigneten Platz fanden, wo wir mit dem Camper gut parken und das Zelt auch trotzdem gut aufstellen konnten. So direkt neben der Straße oder auf einem asphaltierten Wohnmobilstellplatz war das etwas schwierig. Daher sind wir zunächst auf Campingplätze gefahren und haben uns die Platzgebühr geteilt. Auch wenn in Schweden und Norwegen das Jedermannsrecht gilt, also der freie Aufenthalt und Fortbewegung in der Natur, so gilt dies strenggenommen nicht für motorisiert Reisende. In Nordnorwegen wird das alles zwar nicht so streng gesehen, aber zwischen Malmö und Trondheim ist um diese Jahreszeit einfach zu viel los. Zwischen Oslo und Lillehammer haben wir dann aber doch ein nettes Plätzchen an einem See irgendwo in der Pampa gefunden, wo wir super zelten und parken konnten. Und ebenso in der Nähe von Trondheim direkt am Strand, was sehr cool war. Aber auch die Campingplätze in Schweden und Norwegen waren meist nicht schlecht. Von absolut basic bis einigermaßen luxuriös hatten wir alles dabei. Immer in der Nähe von Wasser und gar nicht mal so teuer. Denn wenn man weiß, dass eine Übernachtung auf dem Campingplatz in Südfrankreich schnell mal € 60,00 kosten kann, sind € 25,00 im Vergleich nicht viel Geld. Und durch zwei geteilt ist es fast genauso viel, wie ich allein auf manchen Wohnmobilstellplätzen zahle.

Da Andi keinerlei Erfahrung mit einem reisenden Baby hatte und sich auch keinerlei Gedanken darüber gemacht hatte, machte es die Sache insgesamt recht einfach. Er hat einfach alles auf sich zukommen lassen und das war insofern gut, weil zu viel Planung mit Finn nichts bringt. Wir hatten uns jeden Tag ein Highlight vorgenommen, wobei Einkaufen bei mir schon als Highlight zählt. Ich denke für Andi war das in Ordnung, er hat sich jedenfalls nicht beschwert. Unser großes Highlight bzw. unser Wochenziel war der Geirangerfjord. Ein mega Touristen-Hotspot und ein must see in Norwegen. Der Fjord ist auch wirklich schön, besonders bei strahlendem Sonnenschein, aber die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die hier anlegen, machen Geiranger für mich erst überhaupt zu einer Attraktion.

Nach einer Geburtstags-Angel-Session (es war eine Kinderangel und meine Angelkenntnisse liegen leider immer noch bei Null, daher gab es auch keinen Geburtstagsfisch) am Ende des sogenannten Trollstigen und einer langen Tagesetappe bis Trondheim, habe ich Andi dort nach einer Woche am Flughafen abgesetzt. Es war echt abwechslungsreich und witzig mit meiner Schwester und mit Andi. Dass wir zusammen inzwischen schon wieder über 2.000 Kilometer gefahren waren, habe ich gar nicht gemerkt.

Bis Stefan kam hatte ich aber noch etwas über 700 Kilometer vor mir. Knapp fünf Tage und vier Nächte sollten dafür reichen. Unterwegs habe ich das mit den Highlights beibehalten. Aber allein die Wanderung zum Svartisen Gletscher war Highlight für eine Woche genug. Nicht weil der Gletscher so besonders war (auch wenn es mit 370 Quadratkilometern der zweitgrößte Gletscher Norwegens ist), sondern weil die Logistik mit dem Kleinen Expeditionscharakter hatte. Allein und an einem fremden Ort, weiß man nicht, was man alles braucht und wie lange man für das alles braucht. Unser Ausflug begann mit einem Schiff, dass uns über den Gletschersee brachte. Dann folgten drei Kilometer Fußmarsch über Gletscherschliff bis man zu einem weiteren See kam, an welchen der Gletscher grenzte. Ich hatte zwar die Kraxe dabei, um Finn und unser Equipment zu tragen, aber der Weg war damit gar nicht so ohne und Finn auch nicht so gut drauf wie sonst. Die Verantwortung für uns beide da oben wog daher viel schwerer als Finn und unser Zeug auf meinem Rücken. Als wir nach fünf  Stunden wieder zurück waren, war ich fix und fertig. Zur Entspannung und um Finn endlich schlafend zu bekommen, bin ich dann erst einmal ein Stück gefahren. Als ich plötzlich feststellte, dass es nur noch fünf Kilometer bis zum Polarkreis waren, machte ich das, was in dieser Nacht noch ca. 100 weitere Wohnmobilisten machten. Die Nacht auf dem 66. Breitengrad, dem nördlichen Polarkreis, verbringen.

Bis nach Bodø, wo ich Stefan vom Flughafen abholen wollte, war es jetzt auch nicht mehr weit und ich kam mit einem Tag Vorsprung dort an.

Trotz unserer Übernachtungsgäste, Finn und ich freuten uns nach über zwei Wochen sehr auf Stefans Ankunft in Bodø.

 

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