Der Lofoten-Masterplan

Zwei Wochen sind eine lange Zeit. Auch wenn bei mir mit dem Baby die Zeit nur so verfliegt, die zwei Wochen ohne Baby waren für Stefan ziemlich lang. Ich musste auf den Kleinen ja noch nie so lange verzichten, aber Stefan inzwischen das dritte Mal. Das ist wohl der Preis für einen Urlaub ganz weit weg in Galizien und/oder auf den Lofoten. Jetzt waren wir ganz oben im Norden angekommen. Von den Lofoten bis nach Lissabon (dem südlichsten Punkt unserer Reise) sind es über 5.000 km!!! Wahnsinn, dass wir das überhaupt geschafft haben!

Wir waren wieder zu dritt als Familie unterwegs. Um keine Zeit zu verlieren ging es vom Flughafen in Bodø direkt auf die Fähre nach Moskenses / Lofoten. Ich wollte ja schon immer mal auf die Lofoten und Stefan irgendwie auch. Und weil wir in diesem Jahr mit Finn viel unterwegs sein konnten und den Campervan hatten, da waren die Lofoten doch naheliegend, oder nicht?

Empfangen wurden wir auf den Lofoten mit strahlendem Sonnenschein, verabschiedet wurden wir mit dem ersten „Herbststurm“ der Saison. Dazwischen hatten wir alles an Wettererscheinungen, was man sich so vorstellen kann. Sobald sich die Sonne zeigte, hieß es sofort zu reagieren und auf den nächsten Berg zu klettern oder zu einen von Stefan ausgesuchten Fotostopp zu fahren. Bei Wind und Regen waren wir froh, diesmal nicht im Zelt schlafen zu müssen. Stattdessen konnten wir bei Durchschnittstemperaturen von 12-14 Grad auch noch schön die Standheizung laufen lassen, wenn es uns zu kalt wurde. Für uns war das quasi Luxusurlaub.

Trotzdem sind wir auch bei Schlechtwetter raus. Wir waren gut ausgerüstet mit Regen- und Windschutz. Finn hat sich in seiner Kraxe bei Stefan auf dem Rücken pudelwohl gefühlt und so war auch eine 5-Stunden-Wanderung kein Problem.

Auch wenn wir auf den Lofoten im Vergleich zu meinen restlichen Reiseetappen nur wenig gefahren sind, hatten wir ordentlich Programm. Stefan hatte seinen Lofoten-Masterplan dabei und obwohl ich noch vor unserem Trip meinte, er soll sich/uns nicht zu viel vornehmen, hatte er das natürlich doch getan. Er war dann auch etwas enttäuscht, dass wir nicht all das sehen und erleben konnten, was er sich für uns vorgestellt hatte. Irgendwie verständlich, denn die Lofoten sind ohne Frage mehr als beeindruckend und landschaftlich betrachtet wunderschön. Immerhin war es aber nicht Finn, sondern das sich ständig ändernde Wetter und die knappe Zeit, die den Masterplan zerfetzten. Zehn Tage sind einfach nicht genug. Da müssen wir wohl noch mal wiederkommen. Wie so oft. Irgendwann.

Dennoch haben wir da oben zu dritt viel gesehen und erlebt. Getrennt und irgendwie doch zusammen sind wir für eine atemberaubende Aussicht über Berge und Fjorde auf den berühmten Reinebringen geklettert (getrennt, weil wir Finn nicht mit da hoch nehmen wollten und einer deshalb immer unten warten musste). Wir sind durch die Berge bis zur Munkebuhütte und auf die Berge um Fredvang gewandert. Wir waren beim Wikinger Festival und an den Stränden von Kvalvika, Unstad, Eggum und Uttakleiv. Und ich habe tatsächlich und ohne Neopren nördlich des Polarkreises gebadet. Finn hat sich inzwischen zu einem richtigem Draussenkind entwickelt. Auch wenn er es liebt, im Campervan zu spielen und zu schlafen, irgendwann will er raus. Egal bei welchem Wetter. Sein gelber Regenanzug hat sich inzwischen mehr als bewährt.

Wir haben die Zeit sehr genossen, aber sie war auch viel zu kurz, um gemeinsam anzukommen. Stefan und ich leben momentan quasi in zwei verschiedenen Welten. Er in der realen Welt mit Arbeit und den üblichen Nachrichten. Ich lebe in der Traumwelt mit Reisen, leben für den Tag und ohne „diese“ Nachrichten. Das macht es nicht immer einfach, denn während ich ganz entspannt dem Regen beim regnen zuschaue, wartet er darauf, dass endlich die Sonne wieder scheint, um weiter am Masterplan zu ‚arbeiten‘. Aber spätestens, wenn ich wieder zurück in Innsbruck bin, kommt die reale Welt auch zu mir zurück. Dann gibt es wieder nur eine Welt für uns. Und da freue ich mich inzwischen auch schon wieder drauf.

Nach über einer Woche auf den Lofoten ging es mit der Fähre von Svolvær wieder aufs Festland nach Skutvik. Über die E6 sind wir dann die gleiche Strasse nach Trondheim zurück gefahren wie wir schon her gefahren sind. Wir wollten den Weg zum Svartisen Gletscher noch einmal zusammen gehen. Und auch, wenn das Wetter diesmal nicht so richtig mitspielen wollte (immerhin hat, als wir beim Gletscher ankamen, die Sonne kurz geschienen), war es auch ein zweites Mal ein beeindruckendes Erlebnis, das mit einer guten Flasche Wein und einer ruhigen Nacht am Gletschersee abgeschlossen wurde.

Was haben wir in diesem Urlaub gelernt?! Das Wetter auf den Lofoten ist wie es ist und wenn du es anders haben willst, musst du auf Sonne eben warten wo du gerade bist (also falls es gerade regnet und du Sonne möchtest)!

Dann ging es für Stefan wieder zurück und auch ich habe mich mit Finn auf gen Süden gemacht. Vorher hatten wir aber noch eine Mission: Wir wollten noch einmal Rentiere und Elche sehen …

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