Die Ruhe vor dem Stau

Noch am Flughafen in Trondheim hatte ich spontan entschieden, dass ich doch nicht wie geplant auf dem vermeintlich schnellsten Weg Richtung Süden fahren wollte, sondern auf dem ruhigsten Weg. Anstatt mich von einem Autobahnrastplatz zum nächsten zu kämpfen, wollte ich in der letzten Woche meiner Reise mit Finn noch einmal ganz viel Natur um mich haben und es ausnutzen, einfach dort stehen bleiben zu können, wo es mir gefällt. Der Tank war voll, Frischwasser hatte ich auch genug und im Kühlschrank herrschte alles andere als gähnende Leere. Ich habe inzwischen genug Vertrauen in den Van und in meine Fähigkeiten mit ihm umzugehen, dass ich auch mal ein paar Tage ohne Supermarkt, Tankstelle, Waschmaschine und Campingplatz klarkomme. In knapp einer Woche würde ich ja sowieso wieder alles um mich herum haben. So bin ich auf kleinen Nebenstraßen immer entlang der Norwegisch-Schwedischen-Grenze Richtung Süden gefahren. Dort musste ich auch nie lange suchen, um einen Schlafplatz zu finden. Entlang der Strecke gab es genug Möglichkeiten, den Van für eine Nacht parken. Ich hatte außerdem gelesen, dass hier in Mittelnorwegen die Chance Elche zu sehen besonders groß sei. Für uns gab es jedoch „nur“ Rentiere zu sehen. Zwar habe ich Spuren von Elchen gefunden, aber sie wohl immer knapp verpasst. Da ich bereits auf der Hinfahrt kurz Elche gesehen hatte, war es eigentlich auch gar nicht so wild, dass ich sie diesmal verpasst hatte. Und Finn fand eh alles toll.

Egal ob Elche oder Rentiere. Der kleine Umweg hat sich in jedem Fall voll gelohnt, denn so viel Ruhe und so wenig Verkehr wie hier werde ich, wenn ich erst einmal wieder in Mitteleuropa bin, so schnell nicht mehr haben. Diese Ruhe über mehrere Tage hinweg hätte ich jedoch noch vor ein paar Wochen nicht ausgehalten. Denn auch wenn ich den Wirbelwind Finn dabei hatte, so sind die Gespräche mit ihm doch noch eher einseitig :-) und die Abende im Van können manchmal ganz schön lang werden. Doch in den letzten vier Monaten, bin ich so viele Abende allein gewesen, dass ich inzwischen mit dem Alleinsein ganz gut damit umgehen konnte, viel besser als ich das zu Hause kann.

Morgens hingegen hab ich gerne mal meine Ruhe. Da ich gerne früh aufstehe und Finn an manchen Tage gerne lange schläft, konnte ich den Morgen entspannt angehen lassen und auch mal ein morgendliches Bad im See genießen. Das Babyphone blieb dabei natürlich immer in Hörweite. So habe ich unsere letzten Tage im hohen Norden sehr genossen. Zwischen Malmö und Travemünde gab es dann noch einmal ein Fahrpause, denn ich habe die Fähre genommen und einen Spieltag für Finn eingelegt.

Ab Travemünde standen wir wieder im Stau. Unglaublich, dass in Deutschland plötzlich so viel mehr Verkehr ist. Auf die 900 Kilometer durch Deutschland hatte ich so überhaupt keine Lust. Zumal ja immer noch Sommerferien waren und passend dazu genügend Sommer-Baustellen eingerichtet waren. Die einzigen Lichtblicke auf der Strecke waren da die Zwischenstopps bei meinen Eltern, Oma & Opa und bei Julia in Leipzig, wo wir das neue Baby bestaunen konnten. Schon krass irgendwie. Finn ist jetzt schon fast ein Jahr alt. Aber erst, wenn man dann so ein kleines Baby sieht, wird einem bewusst wie schnell die Zeit vergangen ist. Wahnsinn, was wir alles schon zusammen erlebt haben und wie viel er in den letzten Monaten gelernt hat. Ich bin mega stolz auf ihn, das er dass alles so toll mit seiner reisewilden Mama mitmacht!

Zum ersten mal bin ich die Strecke Leipzig – Innsbruck nicht an einem Tag gefahren. Nicht, weil ich es nicht geschafft hätte, sondern, weil ich das Ende dieses Trips irgendwie doch noch etwas herauszögern wollte. Den letzten Abend habe ich deshalb in Hilpoltstein auf einem Stellplatz verbracht. Und dann waren wir wieder in Innsbruck. Genau einen Tag vor Finns 1. Geburtstag.

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